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Fahrradfahrer loben märkische Städte
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Verkehr in Brandenburg Fahrradfahrer loben märkische Städte

Auch im Jahr 2016 fragte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Radler in ganz Deutschland, wie gut der Radverkehr in ihren Städten sei. Brandenburg schnitt dabei manchmal überraschend gut ab. So kam Potsdam unter 38 größeren deutschen Städten auf Platz sechs. Trotzdem müssen die Kommunen noch aktiver werden, um eine „Fahrrad-Wende“ zu schaffen, so der ADFC.

Radeln in Potsdams City.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Brandenburgs große und mittelgroße Städte gehören bundesweit bei Radfahrern zu den beliebtesten. Dies geht aus dem neuen „Fahrradklima“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor.

Potsdam kommt unter 38 deutschen Städten mit bis zu 200 000 Einwohnern auf Platz sechs. 911 Potsdamer Radler hatten online oder per Fragebogen zum Beispiel die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, das Angebot an Leihrädern oder die Beliebtheit des Fahrradfahrens in der Stadt gelobt. Gut schnitt auch Cottbus ab. Es fand sich bei 98 mittelgroßen Städten auf Platz 22. Auch hier nannten die Befragten die gute Erreichbarkeit des Zentrums und die Tatsache, dass „alle“ in der Stadt Rad fahren. Außerdem mache Radfahren in Cottbus einfach „Spaß“.

Der ADFC hatte bundesweit online den Radfahrern insgesamt 27 Fragen zum Radverkehr gestellt. Zum Beispiel wurde gefragt, wie gut der Winterdienst auf Radwegen war, wie sie das Fahren im gemischten Verkehr bewerteten oder ob man zügig vorankam. Teilnehmer konnten Schulnoten von 1 bis 6 vergeben. In Brandenburg konnte der ADFC 3273 online-Antworten und zurückgesandte Fragebögen auswerten. Die meisten Antworten – 911 – kamen aus Potsdam. Schon die hohe Teilnehmerzahl nimmt der ADFC als Indiz für eine fahrradfreundliche Stadt.

Dabei sind die Gesamtnoten, die die Radler vergeben hatten, auf den ersten Blick gar nicht so gut. Potsdam erhielt insgesamt nur ein „ausreichend“, genauer: die Note 3,57. Cottbus schaffte die Wertung 3,52. Dies gelte aber für alle abgefragten deutschen Städte, so Lea Hartung, Landesgeschäftsführerin des ADFC Brandenburg. „Die Zufriedenheit von Fahrradfahrern ist sogar leicht zurückgegangen“, so Hartung. Das sei aber kein schlechtes Zeichen. „Die Bedürfnisse der Radfahrer steigen. Das ist auch gut so.“ So würden inzwischen Radwege mit einer Breite von 2,5 Metern erwartet, was früher nicht der Fall war. Als Kritikpunkte an den Kommunen nannten die an der Umfrage teilnehmenden Radler häufig eine schlechte Führung bei Baustellen, den fehlenden Winterdienst für Fahrradwege und fehlende Möglichkeiten, Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitzunehmen.

Als „Überraschungssieger“ des Vergleichs stellte sich für Brandenburg die nur gut 2500 Einwohner zählende Kleinstadt Bad Wilnack (Prignitz) dar. Unter 364 deutschen Kleinstädten kam die Kommune auf Platz 5. Die Nutzer lobten die gute Erreichbarkeit aller Ziele und die guten Fahrradwegweiser.

„Verlierer“ des Vergleichs waren dagegen Städte wie Brandenburg an der Havel und Falkensee (Havelland). Brandenburg landete unter 98 mittelgroßen deutschen Städten auf Platz 91. Dort wurde wenig Werbung für das Fahrradfahren gemacht, Radler nannten Schwierigkeiten an Baustellen und waren unzufrieden, wenn sie sich die Straße mit Autos teilen mussten. Die Kleinstadt Falkensee landet unter 364 Kleinstädten am hinteren Ende auf Platz 348. Radfahrer werteten die Kommune in Sachen Fahrradverkehr als „ausreichend“ bis „mangelhaft“. Es gab kaum Leihräder, wenig Werbung für das Radfahren und schlechte Führung an Baustellen. „Da ist nicht mehr viel Gutes zu finden“, so Hartung.

„Wir wollen das Fahrradfahren in der Breite der Gesellschaft verankern“, sagt die ADFC-Geschäftsführerin. Radfahren müsse innerstädtisch als praktischere, umweltfreundlichere und sogar schnellere Alternative begriffen werden. Dabei sei die positive Einstellung der Kommunen zum Fahrradfahren entscheidend. Bislang mache der Radverkehr in Brandenburg etwa 15 Prozent aus. Hartung rief die Landesregierung dazu auf, die Zuständigkeit für den Radverkehr zu bündeln: „Ein Radverkehrsbeauftragter wäre ein Traum für uns.“

Von Rüdiger Braun

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