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Anwohner sollen für Stellplätze zahlen
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Zoff im Glienicker Sonnengarten Anwohner sollen für Stellplätze zahlen

Um die Parkplatzmisere im Wohngebiet Sonnengarten anzugehen, will die Gemeinde am Sanddornweg zwölf zusätzliche Stellplätze bauen lassen. Die Anwohner, die 60 Prozent bezahlen sollen, wurden nicht einmal darüber informiert. Jetzt formiert sich Widerstand.

Der Grünstreifen am Sanddornweg soll in eine Parkfläche umgewandelt werden. Geplanter Beginn: noch in diesem Jahr.

Quelle: privat

Glienicke. Wer im Sonnengarten zu Hause ist oder schon jemals einen Bewohner besuchen wollte, der weiß: Frei zugängliche Parkplätze sind absolute Mangelware. Aus diesem Grund hat die Verwaltung den Vorschlag gemacht, zwölf zusätzliche und öffentliche Stellplätze im Sanddornweg zu schaffen – fünf südlich der Eichenallee, sieben nördlich davon. Dafür soll die an die Fahrbahn angrenzende Grünfläche in einer Breite von 2,5 Metern genutzt werden. Da die Gemeinde nur das nördliche Grundstück besitzt, soll damit bereits in diesem Jahr begonnen werden. Die übrigen Stellplätze sollen nach dem Eigentumsübergang im Jahr 2018 gebaut werden. Gesamtinvestition: 91 500 Euro. Anliegerbeiträge: 54 900 Euro.

Eher zufällig haben die Wohnungseigentümer von dem Vorhaben erfahren, das am Mittwochabend im Ausschuss für technische Infrastruktur und Gewerbe behandelt wurde. Und sie sind wenig begeistert, dass sie „bisher in keiner Weise eingebunden“ waren und für die öffentlichen Stellflächen auch noch zur Kasse gebeten werden sollen. Das machte Anwohner Uwe Jessen als Vertreter einer Interessengemeinschaft deutlich. Knapp 30 von ihnen waren in der Sitzung persönlich erschienen. Denn immerhin hätten die Eigentümer bereits gut 3000 Euro für einen eigenen Außenstellplatz bezahlt, sogar rund 15 000 Euro für einen Tiefgaragenplatz. Damit hätten sie bereits „einen großen Beitrag zum Lösen des Parkplatzproblems im Sonnengarten geleistet“. Andererseits bezweifelt Jessen, dass damit die Misere im Sonnengarten auch nur annähernd gelöst werden kann. Vielmehr befürchtet er neue Probleme und Gefahrenpotenziale durch diese „Pseudolösung“ und den dann einsetzenden Parksuchverkehr. Ohnehin ergäben sich bereits verbreitet gefährliche Situationen im Wohngebiet durch in Kurven oder in zweiter Reihe abgestellte Fahrzeuge (Eichenallee), sagt der Polizeibeamte im Ruhestand. Der 62-Jährige ist 2012 aus Berlin in den Sonnengarten gezogen und ­findet nun ebenso merkwürdig, dass die von den Anliegern finanzierte Grünanlage mit Rosensträuchern zum Teil „betoniert“ werden soll.

Die meisten Bewohner zahlen für ihre Parkplätze.

Quelle: privat

Die Ausschussmitglieder nahmen die Bitte von Uwe Jessen auf, öffentliche und private Interessen gut gegeneinander abzuwägen. In der Debatte sprachen sich einige gleich gegen diese Parkplatzlösung aus, andere mahnten ein besseres ÖPNV-Angebot an und Dirk Steichele (SPD) forderte, das Gesamtproblem zu betrachten – und nicht nur eine Straße. Man schien sich aber relativ einig zu sein, dass die Bürgerbeteiligung an dieser Stelle nicht optimal lief. Der Verwaltung wurde zudem unter anderem die Hausaufgabe aufgegeben, nach Alternativen für eine Lösung zu suchen.

Auf Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Christian Hortien (GBL) stellte der Ausschuss ein Votum zurück und gab das Thema in die einzelnen Fraktionen. Dort sollen nun zunächst Meinungen ausgetauscht und Standpunkte gebildet werden. Eine schnelle endgültige Beschlussfassung schon am 27. Juni scheint damit vom Tisch. „Damit haben wir ein kleines Ziel erreicht“, sagt Uwe Jessen. Das gebe den Betroffenen etwas Zeit, um eine Unterschriftenaktion zu starten.

Von Helge Treichel

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