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„Wir wollen die Stallanlage nicht an dem Standort“
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Bürgerinitiative Hoppenrade formiert sich „Wir wollen die Stallanlage nicht an dem Standort“

Die Meinungen prallen aufeinander: Einerseits möchte der Unternehmensverbund der Agrarbetriebe aus Großmutz, Glambeck und Grieben den ökologischen Landbau forcieren und dafür eine große Stallanlage in Hoppenrade bauen. Demgegenüber steht eine Bürgerinitiative.

Andrea Müller, Steffen Reukauf und Hans-Peter Schütz (von links) kämpfen für die Bürgerinitiative. Der neue Stall soll hinter den alten Stall (Hintergrund) gebaut werden.

Quelle: FOTO: STEFAN BLUMBERG

Hoppenrade. Mit Händen und Füßen wehren sich die Mitglieder der Bürgerinitiative Hoppenrade gegen den Bau der geplanten ökologischen Stallanlage in ihrem Ort. Das stellten Andrea Müller, Steffen Reukauf und Hans-Peter Schütz beim Pressegespräch am Dienstag eindeutig klar. „Mit dem Projekt an sich haben wir kein Problem. Aber wir wollen die Stallanlage nicht an dem Standort“, sagt Steffen Reukauf. Er ist einer der Einwohner, dessen Grundstück sich in der Nähe der zu bebauenden Fläche befindet. 49 Einwohner haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Sie stören sich insbesondere an dem für sie überdimensional großen Stall (MAZ berichtete). 126 Meter lang und über zwölf Meter hoch soll er werden. Integriert wird ein schon bestehender Stall.

Seit dem 1. Februar, so Andrea Müller, wüsste diejenigen, die sich jetzt BI zusammenschlossen haben, erst von dem Vorhaben, „obwohl es schon am 4. November 2015 einen Bescheid gegeben hat“. Ab dem Tag setzte die BI alle Hebel in Bewegung, um Material zu sammeln gegen den beabsichtigten Bau. Ein Flyer wurde in Windeseile erstellt und verteilt („Stickstoffausstoß – Tod für den Wald?“, „Verbotene Konzentration von Keimen und Antibiotika?“, „Vier- bis fünfmal so viel Verkehr?“), ein zweiter Flyer mit weiteren Informationen folgte.  Es  wurde ein 18-seitiger Widerspruch formuliert, der an die Gemeinde, den Landkreis und das Amt für Immissionsschutz gegangen ist. Am Dienstag hat der von der BI beauftragte Rechtsanwalt Tim Stähle (Berlin) eine „Stellungnahme/Einwendungen im Baugenehmigungsverfahren“ an die Bauaufsichtsbehörde geschickt. 14 Punkte müssten, so Steffen Reukauf, danach zur Nichtgenehmigung der Anlage führen. Hans-Peter Schütz strebt ein Gespräch mit Innenminister Karl-Heinz Schröter an.

Die Bürgerinitiative stört sich momentan an diesen Dingen: Die geplante Stallanlage befindet sich zu nah an Wohngebäuden, gesetzlich vorgeschriebene Distanzen würden nicht eingehalten. Auch der Abstand zum Wald sei zu gering (60 Meter jetzt, 150 Meter seien Pflicht). Außerdem sei das Areal im SPA-Gebiet, einer ausgewiesenen Vogelschutzzone.

Aus den Antragsunterlagen – die BI beantragte Akteneinsicht – kam die Initiative auf eine Zahl von 616 Tieren, die künftig in Hoppenrade betreut würden (336 Milchvieh, 250 Jungvieh, 30 Kälber). Absolut stimmt die Zahl, allerdings würden Jungrinder und Kälber mit den Faktoren 0,3 und 0,6 berechnet, sodass die Zahl rechnerisch etwa um 500 liegt, so Erhard Hinz, Geschäftsführer der Griebener und Großmutzer Agrar GmbH, die mit dem Glambecker Betrieb einen Unternehmensverbund bildet. Darüber hinaus glauben die BI-Vertreter nicht daran, dass keine Biogasanlage gebaut wird. Mit der Anlage wäre es problematisch (Immissionen), ohne ihr auch („wegen der potenziell drastisch steigenden Gülletransporte durch den Ort“.) Hans-Peter Schütz: „Mit Hoppenrade würde ein Dorfjuwel kaputt gemacht werden.“ Erhard Hinz verweist darauf, dass eine Biogasanlage derzeit absolut kein Thema sei. Wenn es jemals eine geben sollte, „dann eine superkleine nur für die Kuhkacke“. Dadurch würden sich Transporte und Menge der Abgase verringern.

Die Glambecker und Griebener Agrarbetriebe wollen künftig noch mehr auf Ökologischen Landbau setzen und deshalb in die Stallanlage investieren. „Mit der neuen Stallanlage hätten wir Top-Bedingungen“, sagte Erhard Hinz vor einer Woche im Bauausschuss des Löwenberger Landes. „Natürlich lassen wir Gutachten machen und müssen sehen, wie die ausfallen.“ Er sei auch bereit, Hinweise der BI in die Planung einfließen zu lassen.

Zwei Gesprächsversuche zwischen Vertretern der BI und der Agrarbetriebe hat es gegeben – erfolglos. „Nach dem Frontalangriff gegen uns sehe ich momentan keinen Bedarf“, sagt Erhard Hinz.

Die Bürgerinitiative wird den Prozess penibel begleiten, möchte die Einwohner aufklären. Steffen Reukauf: „Wir werden überall wühlen, um zu verhindern, dass der Stall an die geplante Stelle kommt.“ Trotz der unterschiedlichen Ansichten im Ort stellt Andrea Müller klar: „Wir wollen das Dorf nicht spalten!“

Von Stefan Blumberg

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