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Vorreiter beim „Gemeinsamen Lernen“
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Zu Hause in Ziesar Vorreiter beim „Gemeinsamen Lernen“

Erst nannte es sich inklusive Grundschule. Zum neuen Schuljahr heißt das neue Landeskonzept bis zur Oberstufe „Gemeinsames Lernen“. Mehr Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten und anderen Handicaps soll der Weg in die Berufsausbildung ermöglicht werden. Die Thomas-Müntzer-Schule in Ziesar gehört zu den Vorreitern.

Ziesars kommissarischer Schulleiter Axel Maruhn stellt die Weichen für die Teilnahme am Landeskonzept „Gemeinsames Lernen“.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ziesar. Sie haben Probleme mit dem Lesen und Schreiben, sind hyperaktiv, chronisch krank, autistisch, geistig behindert oder aus anderen Gründen verhaltensauffällig. Auf dem Weg zur 10. Klasse will Ziesars Thomas-Müntzer-Oberschule mit Grundschule künftig jedes Kind mitnehmen. So gehört der Standort zu den 162 Schulen im Land Brandenburg, die ab dem neuen Schuljahr nach dem Landeskonzept „Gemeinsames Lernen in der Schule“ unterrichten.

Im Kern geht es darum, mehr Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf zu einem Schulabschluss zu führen und damit zu besseren Chancen für eine Berufsausbildung zu verhelfen. Ziesar wurde nicht bestimmt, sondern die Schule hat sich beworben. Am Ende erfolgreich. „Damit stellen wir uns den Realitäten. Kinder mit Lernschwierigkeiten und Durchhalteproblemen sind nun mal da. Es wird auch bei uns zur Normalität gehören, dass Schüler mit und ohne individueller Hilfestellung zusammen lernen. Wir wollen nicht nur Wissen weitergeben, sondern auch soziale Kompetenzen vermitteln“, freut sich Axel Maruhn (56), kommissarischer Schulleiter in Ziesar auf die Herausforderung.

Der umgestaltete Schulgarten gehört zu den neuesten Schülerprojekten in Ziesar.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Erst seit ein paar Wochen steht der gebürtige Prignitzer an der Spitze der Thomas-Müntzer-Schule. Um die Teilnahme am neuen Landeskonzept hatte sich die Bildungsstätte noch unter Regie seiner Vorgängerin Kerstin Riemer beworben. Nicht ohne sich zuvor grünes Licht von der Schulkonferenz zu holen. Immerhin hat die Schule gerade erst einige tiefgreifende organisatorische Umbrüche hinter sich.

Die Trennung zwischen Grundschulteil und Oberschule wurde aufgehoben. Für die Klassen 1 bis 6 wurde zum Schuljahr 2016/17 die integrierte Tagesbetreuung ab 6 Uhr bis 17 Uhr eingeführt. Diese Form des kostenlosen Ganztagsbetriebes hat den Hort abgelöst. Viel Kraft, Zeit und Geld wurde in den Umbau gesteckt. Wird da noch ein Rucksack nicht zu schwer?

„Allein können wir die Ansprüche an die erhöhte individuelle Betreuung nicht leisten“, gibt Schulleiter Maruhn zu bedenken. Deshalb ist die Beteiligung an dem Projekt mit fünf neuen Pädagogenstellen zum 1. August verbunden. Doch Bewerber müssen erst einmal für Ziesar gefunden und begeistert werden. Am 24. April beginnt die Ausschreibungsphase. Auch für die Stammbelegschaft bringt das „Gemeinsame Lernen“ jede Menge Neuland. Mitte Mai erfolgt der Startschuss für eine zweijährige Fortbildung, an der fünf Kollegen teilnehmen.

Tag der offenen Tür in der Thomas-Müntzer-Oberschule mit Grundschule.

Quelle: JACQUELINE STEINER

„Der Weg zum gemeinsamen Lernen wird sehr intensiv und spannend. Am Ende wird der Schulstandort Ziesar gestärkt aus dieser Profilierung hervorgehen“, ist Schulleiter Maruhn sicher. Ziesar fängt nicht bei Null an. Unter der bisherigen Überschrift Inklusion werden schon längst Kinder mit Nachholebedarf oder fehlenden Deutschkenntnissen unterrichtet. Außerdem sieht Maruhn seine Schule für das Ziel eines gemeinsamen Lernens gut aufgestellt. Dank der jahrelangen Orientierung auf einen praxisnahen Unterricht verfügt die Schule über sehr gute Kontakte zu Unternehmen in der Region.

Am Ende sind es immer mehr Eltern, die sich wünschen, dass ihre Kinder trotz des besonderen Unterstützungsbedarfs an einer allgemeinen Schule lernen können. Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske hat sich vorgenommen, dass innerhalb der nächsten sechs Jahre alle Brandenburger Grund-, Ober- und Gesamtschulen das „Gemeinsame Lernen“ anbieten und entsprechend ausgestattet werden. Auf Hilfe vom Land bei der Neuorientierung der Schule hofft auch das Amt Ziesar als Schulträger. „Wir stellen uns den neuen Aufgaben. Aber es gibt bei der Ausstattung noch jede Menge zu tun. Darauf sollte sich auch das Land einstellen“, sagte Amtsleiterin Eva Friedrich der MAZ.

Offen ist derzeit, wie sich die tatsächliche Nachfrage nach Einschulungen und Unterrichtsplätzen für Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf in Ziesar entwickeln wird. „Wichtig ist, das wir betroffenen Eltern ein Angebot machen können. Die Zahl der Kinder mit Lernschwierigkeiten nimmt eher zu“, weiß Schulleiter Maruhn aus eigener Erfahrung. Er ist seit 2014 als Lehrer in Ziesar und war davor Leiter einer inklusiven Schule in der Ostprignitz. Inzwischen hat Maruhn seinen Lebensmittelpunkt nach Ziesar verlegt. Die kommissarische Schulleiterstelle soll zum 1. August in eine dauerhafte Stelle umgewandelt werden. Ein klares Signal der Schulbehörde, dass man in Ziesar wieder einen gesicherten Standort sieht. Das Bewerbungs- und Prüfverfahren läuft derzeit. Axel Maruhn ist dabei.

Von Frank Bürstenbinder

Ziesar 52.2674683 12.2874395
Ziesar
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